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Der Ablauf von Supervision: was Sie in systemischer Supervision erwartet

Speziell für systemische Supervisionen gibt es keinen eng vorgegebenen Ablauf. Ein starres Programm, eine strikte Agenda würde dem Prinzip der ertragreichen (im Sinne von Erkenntnissen) Gruppendynamik und der Autopoiesis (αὐτός, selbst und ποιεῖν, „schaffen, erbauen“) Selbsterschaffung eines Systems, hier: Supervisionsgruppe) entgegenstehen und spontane Entwicklungen eher verhindern. Wir sind flexibel und gehen individuelle auf die Anliegen der Teammitglieder ein.

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Der Ablauf einer Supervision orientiert sich nicht nur an den zu supervisierenden Themen, sondern auch am Kontext und am Setting.

Beim Procedere einer Supervision spielen äußere und innere Faktoren eine Rolle: Handelt es sich um Einzelsupervision, Teamsupervision, Gruppensupervision, Fallsupervision oder Leitungssupervision? Kommen die Supervisanden aus dem psychosozialen Umfeld, aus der Medizin oder aus der Wirtschaft? Sind Vorgesetzte anwesend? Handelt es sich um eine Einzelsitzung mit Supervision für Manager?

Sie sehen, es gibt viele Aspekte und Themen. Bei aller Professionalität der Teilnehmer werden immer auch persönliche Aspekte und Anliegen auftauchen, z. B. Wertvorstellungen. Diese sind mit Wertschätzung zu behandeln.

Ein fester Plan oder eine Agenda für die Supervision lässt sich damit kaum erstellen. Damit würde man die Supervisanden hindern, ihren Fall in der gebotenen Ausführlichkeit darzustellen. Die Supervisanden kommen mit individuellen Anliegen in die Supervision. Manche erwarten Lösungen, andere wieder sind mit sich versöhnt, wenn Supervisor und Supervisionsgruppe ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass in einem konkreten Fall der Zustand der Lösungslosigkeit zu akzeptieren ist.

supervision ablauf themen flipchart

Ablauf der Supervision: welche Themen?

Blitzlicht

In einer Startrunde (Blitzlicht) berichten die Supervisanden, wie es ihnen geht, welche Anliegen und Bedenken sie mit in die Supervision nehmen und mit welchen Erwartungen sie gekommen sind. Häufig finden sich bereits in der ersten Runde Hinweise auf Themen, Fälle oder Konflikte, die supervidiert werden sollen.

Anliegen beschreiben

Die Supervisandin bzw. der Supervisand trägt vor, mit welchen Anliegen und Erwartungen sie / er einen Fall oder Konflikt supervidieren lassen will.

Fallvorstellung

In der Fallvorstellung trägt der Supervisand vor, was er in der Fallbesprechung behandeln will und in welcher Weise er sich Hinweise erwartet. Systemische Supervision lebt wie auch die systemische Beratung und Therapie von der Auftragsklärung. Je genauer Supervisor und Supervisionsteam wissen, mit welcher Fragestellung der Supervisand gekommen ist, desto besser für den Ablauf der Supervision – und die Ergebnisse.

Rückfragen an den Falleinbringer

Rückfragen an den Falleinbringer sind ausdrücklich erwünscht. Hierdurch wird der Supervisand dazu angehalten, sein Supervisionsanliegen zu präzisieren. Gleichzeitig erhält er erste Rückmeldungen aus der Supervisionsgruppe.

Hypothesenbildung

Hypothesenbildung dient dazu, verschiedene Theorien zur Entstehung der Fallentwicklung zu konstruieren. So können die anwesenden Teammitglieder ihre Beiträge zu Lösungen, aber auch zur Problemstabilisierung reflektieren.

Fallbesprechung mit Reflexion

Im Prozess der Supervision ist die Reflexion ein entscheidender Schritt hin zur Horizonterweiterung der Personen, die einen Fall supervidieren lassen. Wie wirkt der Fall auf Außenstehende? Welche Besonderheiten fallen auf?

Entwicklung von Lösungsansätzen

Als erfahrene Supervisoren lassen wir der Supervisionsgruppe den Vortritt bei den Entwicklung und dem Vortragen von Lösungsansätzen. Wir stellen allenfalls Zwischenfragen hinsichtlich der vermutlichen Auswirkungen von Veränderungen.

Mit dieser neutralen und stets von Demut getragenen Haltung fördern wir die Kompetenz der Selbstreflexion. Die Qualität von Lösungsideen oder Interventionsvorschlägen wird daher nicht anhand ihrer vermutlichen Umsetzbarkeit eingeordnet. Auch qualitative Bewertungen finden eher nicht statt. Vielmehr kommt es darauf an, ganz im Sinne der systemischen Idee und Supervision zu Musterunterbrechungen und Unterschiedsbildungen zu kommen. Die spontanen Reaktionen aus dem Team und des Falleinbringers sind die besten Indikatoren dafür, ob eine Intervention anschlussfähig ist oder nicht.

Schlussrunde / Rückmeldung des Falleinbringers

In einer Schlussrunde kann der Falleinbringer seine Eindrücke schildern und dem Team sowie dem Supervisor eine Rückmeldung dazu geben, was ihn an der Supervision weiterbringen könnte. Diese Rückmeldung wiederum dient auch der Supervisionsgruppe zur Reflexion und als Lernprozess, um für künftige Supervisionssitzungen das Handwerkszeug zu optimieren.

Abschließende Reflexion

Wie haben der Supervisand und die Gruppe – evtl. das Reflecting Team – von der Supervision profitiert?

Ablauf Supervision – häufige Fragen

Umgangston und Schweigepflicht

Entscheidend ist selbstverständlich ein wertschätzender Umgang der Supervisionsteilnehmer mit allem, was in der Supervisionssitzung vorgetragen wird. Ebenso selbstverständlich ist es, dass über jegliche in der Supervision genannten Themen Stillschweigen bewahrt wird. Aus Gründen des Datenschutzes ist es sinnvoll, keine Namen zu nennen, sondern die Angaben zu den biographischen Umständen von Klienten eher allgemein zu halten. Es reicht vollkommen aus, einen Supervisionsfall von den Eckdaten her anzudeuten, um dann in der Falldynamik und der Beschreibung von Interaktionen sehr präzise zu sein.