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Systemische Beratung


Systemische Beratung ist eine Methode, bei der die Beratung nicht außen bleibt, also von außen „passiert“, quasi über die beratene Person hereinbricht. Ein wesentlicher Unterschied zwischen systemischer Beratung und herkömmlichen Beratungstechniken ist die Art der Fragestellung. Die Fragen werden so gestellt, dass sich der Klient oder Coachee aktiv am Beratungsvorgang beteiligt, mehr noch: Er wird zum Teil der systemischen Beratung.

Systemische Beratung wird über klare Rollenzuschreibungen und die systemische Auftragsklärung definiert. Wofür sind wir hier in der Gruppe bzw. Sitzung, und was ist mein Auftrag? Was wird herauskommen sein, wenn wir gut zusammengearbeitet haben?

Der Idealfall bei der Anwendung der systemischen Methode tritt ein, wenn die Klienten damit beginnen, sich selbst zu beraten. Wie kann das geschehen? Die Klienten werden angeregt, ihren Eigenanteil an einer Situation zu erforschen. Gängige Mittel dafür sind beispielsweise:

  • Verschlimmerungsfragen: „Was müssten Sie tun, damit Ihr Problem noch viel größer wird?“
  • Zirkuläre Fragen (triadische Fragen): „Was meinen Sie, wie sich Ihr Chef fühlt, wenn Sie und Kollege X Ihre Konflikte im Team austragen?“ Einer solchen Frage könnte in der systemischen Sitzung die Frage an den systemischen Berater vorangegangen sein, warum sich der Chef letztens feindselig zeigte, während der Klient doch „nur die Sache mit dem Urlaub zur Sprache bringen wollte“.
  • Systemische Beratung ist ein kreativer Prozess, in dem der Mensch auf Zusammenhänge kommen kann, die sonst oft verborgen bleiben.

Warum die systemische Beratung wirksam ist

Die systemische Beratung ist aus der Familientherapie hervorgegangen. Die Beratung von Familien zählt zu den sehr komplexen Feldern in der Beratung. Will man die Familie zu den sozialen Systemen zählen, so ist dieses System auf kleinstem Raum mit vielen möglichen Störungsquellen ausgestattet.

Es geht in der Familienberatung unter anderem um Loyalitätskonflikte, Erwartungen und Erwartungswartungen. Was heißt das?

  • Ein klassischer Loyalitätskonflikt tritt z. B. ein, wenn sich ein Kind zu einem Elternteil stärker hingezogen fühlt (was als Phänomen und ohne jegliche Bewertung einfach nur eine Tatsache ist).
  • Bemerkt der „benachteiligte“ Elternteil diese Bevorzugung des eigenen Ehepartners, kann sich eine Spirale sublimer Botschaften an das Kind in Bewegung setzen.
  • In der systemischen Theorie wird davon ausgegangen: nichts passiert ohne Wechselwirkung. Und so ist es auch im ganz banalen Alltag.
  • Unser Handeln und Denken entwickeln wir immer in Abhängigkeit von und im Bezug zu einem Kontext.
  • Bleiben wir noch einen Moment beim hier konstruierten Loyalitätskonflikt in einer ausgedachten Familie. Wenn es um die Verteilung von Gunst in Form z. B. von Aufmerksamkeit und Zeit geht, kann eine sich benachteiligt fühlende Person die verschiedensten Register ziehen, um das vermeintliche Defizit auszugleichen.

Wirksam ist die systemische Beratung, weil sie das Augenmerk auf das Ganze legt, die Wechselwirkungen. Nur so lässt sich die Dynamik in einem System verstehen und nutzen. Im systemischen Arbeiten ist viel Kreativität erforderlich. Die Beratung mit dem systemischen Bezug bedient sich zentraler Erfahrungen aus der Familientherapie und überträgt sie in die Organisation.

Systemischer Hintergrund im Supervisionszentrum

  • Dreijährige Weiterbildung mit umfangreicher systemischer Selbsterfahrung bei einer der bedeutendsten deutschen Gesellschaften für systemische Therapie: IGST Heidelberg, Internationale Gesellschaft für systemische Therapie; zertifiziert durch die Systemische Gesellschaft Berlin (SG)
  • Zahlreiche systemische Supervisionen im Bereich Krankenhäuser, Psychiatrie und in der sozialen Arbeit (soziale Einrichtungen)
  • Systemische Beratung für Organisationen der Wirtschaft
  • Erfahrung in der systemischen Therapie von Personen mit den Diagnosen Burnout, Angststörungen
  • Systemisches Coaching in der Praxis
  • Grundlagen über die Beratung in der Gruppe und die Einzelsitzung
  • Systemische Beratung und systemische Therapie im Alltag einer Arztpraxis.

Fallbezogene Weiterbildung und Supervision in systemischer Beratung und Therapie

Man braucht, um die Grundzüge systemischer Beratung kennenzulernen, nicht gleich eine lange Weiterbildung zu absolvieren. Wer daran interessiert ist, das systemische Denken und die systemische Theorie in die Praxis umzusetzen, kann von den fallbezogenen Weiterbildungseinheiten im Supervisionszentrum profitieren:

  • Wie unterschiedlich einzelne Personen dieselbe Situation wahrnehmen können
  • Welche Informationen gesendet werden, auch wenn nicht gesprochen wird
  • Warum sich die Arbeit nie ganz vom Privatleben trennen lässt – und welche Vorteile das auch haben kann
  • Systemische Modelle und wie sie in der Arbeit variiert werden können
  • Bildung von Allianzen im System – und wie ein System gelesen werden kann

Wir bieten Workshops in systemischer Beratung

Weiterbildung im Supervisionszentrum in Frankfurt: Workshops und Kurse in Form kurzer Seminare (Dauer zwischen einem und drei Monaten), mit denen sich bereits ausgebildete professionelle Berater weiterbilden können, jeweils in einem Thema, das über klassische systemische Weiterbildungen hinausgeht. Angesprochen sind außerdem Fachkräfte aus dem Personalwesen (Human Resources), die in der systemischen Beratung und Therapie eine kompakte Form der Weiterbildung suchen, für die sie nicht reisen und keine Arbeitszeit versäumen müssen.

Ziele einer kompakten systemischen Weiterbildung

  • Beruflich Methodisches in die Praxis übertragen und anwenden
  • Vom Lehrbuch weg und ins Arbeiten kommen (eignet sich ideal, wenn ein angehender systemischer Berater gerade ein Curriculum Systemische Beratung oder eine Weiterbildung begonnen hat und systemische Grundsätze live kennenlernen will)
  • Systemische Techniken erlernen und ausbauen
  • Lernen, wie unterschiedlich eine einzige Information interpretiert werden kann – und wie sich das auf systemische Beratungsvorgänge auswirkt

Systemische Familientherapie, Einzeltherapie, Supervision: Systeme wieder zum Klingen bringen

Paare, Familien, Teams, Unternehmensabteilungen, aber auch der Mensch selbst mit seinen vielschichtigen Seiten – alle haben sie eines gemeinsam.

Lebende Systeme schwingen und klingen mit einander – wenn sie intakt sind

Was der eine unternimmt, erzeugt beim anderen Resonanz. Aber in bestimmten Fällen eben auch keine Resonanz. Wenn die Resonanz fehlt, beschreiben Teile eines Systems oder Sprecher des Systems ein Verstummen. Hilfsweise werden andere Mittel gewählt, um Botschaften zu transportieren:

  • auffälliges Verhalten gleich welcher Art
  • Provokationen
  • Rückzug
  • Auseinandersetzungen
  • Aggression

So kommt es zu Situationen, die als Störungen beschrieben werden. Wenn der Störungsbegriff überhaupt Anwendung finden sollte, dann nur im Sinne von „Zeitweilige Unterbrechung von Klang, Klingen und Schwingung in einem System.“ Der Begriff von Störung in einem pathologischen Sinne ist kontraindiziert und führt zu einer Festigung des Schwingungsverlusts.

Was wirkt in der Beratung, was kann Beratung erreichen?

Ob Familientherapeut, Berater, Supervisor oder Mediator: Der Schlüssel für die Wiederaufnahme gelingenden Miteinanders ist der Klang, der Resonanz erlaubt.

  • Anliegen in Sprache bringen
  • Wünsche verständlich und annehmbar formulieren
  • Gefühle wahrnehmen
  • Gefühle artikulieren

Gelingende Beratung bringt zum Klingen, was verstummt war.

Mit dieser Haltung in der Beratung liegt die Aufmerksamkeit auf den Kompetenzen, Ressourcen und Stärken der Klienten.

Der Berater hat lediglich die Aufgabe, im System einen Klang zu erzeugen, der bei den Systembeteiligten eine Resonanz auslöst. Ab hier beginnt das System wieder damit, von sich aus in Schwingung und Interaktion zu kommen.